Politiker sind mit Versprechen meist zurückhaltend. Gibt es etwas, das Sie den Bruchsalern definitiv versprechen können, wenn Sie OB werden?
Ich verspreche den Bruchsalern Ehrlichkeit, Transparenz und Verantwortung. Keine leeren Versprechen, sondern eine Politik, die offen kommuniziert, sachlich entscheidet und auch Fehler eingesteht, wenn sie passieren. Die wichtigste Währung in der Politik ist Glaubwürdigkeit – und die entsteht nur durch Offenheit und den Mut, Kritik anzunehmen.
Wenn Sie vorher von der Bruchsaler Finanzkrise erfahren hätten, hätten Sie sich trotzdem hier als OB beworben?
Nicht trotzdem, sondern gerade deshalb. Die finanzielle Krise war seit Jahren absehbar und spätestens seit Oktober letzten Jahres unübersehbar konkret. Sie ist kein plötzlicher Schicksalsschlag, sondern das Ergebnis politischen Wegschauens und jahrelanger Fehlentwicklungen. Genau diese Zustände haben mich dazu motiviert, selbst aktiv zu werden. Diejenigen, die Probleme geschaffen haben, werden sie nicht lösen können – dafür braucht es eine vernünftige Alternative.
Wie schnell kann es Bruchsal unter Ihrer Regie aus dieser Krise herausschaffen und mit welchem Rezept?
Die Krise ist kein reines Bruchsaler Problem, sondern systematisch – das betrifft Bund, Länder, Landkreise und Kommunen gleichermaßen. Aber wir müssen dort anpacken, wo wir es selbst können. Dazu braucht es zuerst einen ehrlichen Kassensturz. Wir müssen genau wissen, wo wir stehen und dann konsequent Prioritäten setzen. Gleichzeitig dürfen wir unsere Unternehmen nicht aus dem Blick verlieren, denn sie sind das Rückgrat unserer wirtschaftlichen Zukunft. Ohne strukturelle Reformen auf Landes- und Bundesebene wird es nicht gehen. Deshalb will ich den Druck nach oben erhöhen – im Verbund mit anderen Kommunen und mit einem klaren Signal aus Bruchsal.
Das Filetstück „altes Feuerwehrhaus“ liegt seit Jahren brach. Wie soll das Gebiet Ihrer Meinung nach in fünf Jahren aussehen?
2019 gab es bereits einen aufwendig organisierten Ideenwettbewerb, inklusive Prämierung. Hunderttausende Euro Steuergeld wurden investiert, doch passiert ist seitdem nichts. Diese Entwürfe müssen wieder auf den Tisch. Gute Ideen wurden bereits bezahlt – jetzt müssen sie auch genutzt werden. Das gesamte Gebiet bietet enormes Potenzial als attraktive Erweiterung der Innenstadt. Ich sehe dort eine Kombination aus Gewerbe, Gastronomie und Wohnraum, abgestimmt mit den bestehenden Unternehmern vor Ort. Zugleich kann moderne Architektur dort eine würdige Erinnerung an die frühere Synagoge integrieren. Nicht durch leere Symbolik, sondern als lebendiges Gedenken im Alltag der Stadt.
Bruchsal wächst seit Jahren. Nicht zuletzt durch die neue Bahnstadt. Soll das so weitergehen?
Das Wachstum einer Stadt ergibt sich nicht aus dem Willen des Oberbürgermeisters, sondern aus der Nachfrage der Menschen. Wenn Bruchsal attraktiv ist, mit lebendigen Stadt- und Ortsteilen, einer starken Wirtschaft und einer funktionierenden Infrastruktur, wird sich das Wachstum gesund fortsetzen. Wachstum braucht Substanz. Es muss mit Augenmaß, Planung und Weitblick erfolgen. Ein Wachstum um des Wachstums Willen, führt langfristig zu sozialen und infrastrukturellen Problemen. Ich setze mich für eine qualitative Weiterentwicklung ein, das auf Lebensqualität, Versorgungssicherheit und städtebauliche Vernunft setzt.
Im Moment laufen die Planungen für Windräder: Wie viele Windräder rund um Bruchsal hielten Sie für verträglich?
Je weniger, desto besser. Windkraftanlagen im Wald bedeuten massive Rodungen, gefährden Tiere, zerstören Naherholungsgebiete und liefern nur unzuverlässigen Strom. Der Eingriff in Natur und Landschaft steht in keinem Verhältnis zum Ertrag. Solche Projekte dienen oft Wunschdenken statt Vernunft. Bruchsal braucht keine Windparks im Wald, sondern eine technologieoffene Energiepolitik ohne Naturzerstörung vor Ort.
Was haben Sie, was die anderen Kandidaten nicht haben?
Für mich ist das Amt des Oberbürgermeisters kein Karriereschritt, sondern eine klare Verpflichtung. Ich trete an, weil es notwendig ist zu einer Politik mit Vernunft, Verantwortung und Bodenhaftung zurückzukehren. Die Zeit der leichtfertigen Entscheidungen, des «Weiter so», hat uns genau in die Lage gebracht, in der wir heute stehen: finanzielle Engpässe, Prioritätenverschiebung und Vertrauensverlust. Ich will das ändern – nicht von oben herab, sondern mit den Bürgern, für die Bürger. Aus Bruchsal, für Bruchsal.